Was kostet eine vorzeitige Kündigung?

Einen Kredit vor Ende der eigentlichen Laufzeit zu kündigen und die Restschuld auf einen Schlag abzulösen, ist möglich, aber kostenpflichtig. Banken sprechen diesbezüglich von einer Vorfälligkeitsentschädigung. Daran ändert auch die EU-Verbraucherkreditrichtlinie nichts. Banken dürfen diese Gebühr bei Krediten mit festem Zinssatz nach wie vor erheben, müssen sich bei der Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung aber an klare Vorgaben und Obergrenzen halten.

Die Gebühr bei älteren Verträgen

Bei älteren Verträgen, die vor Inkrafttreten der Richtlinie abgeschlossen wurden, richtet sich die Gebühr für die vorzeitige Kündigung einzig und allein danach, welche Vereinbarungen getroffen wurden. Für Verbraucher waren diese Regeln meist gar nicht oder nur schwer nachvollziehbar. Selbst zu berechnen, wie hoch die Vorfälligkeitsentschädigung sein würde, erwies sich damit als unlösbare Aufgabe. Kalkuliert wurde unter anderem anhand der entgangenen Zinszahlungen und des Aufwandes, wobei jede Bank mit eigenen Zahlen arbeitete.

Die Vorgaben der EU-Verbraucherkreditrichtlinie

Klare Bahnen wurden erst mit der EU-Verbraucherkreditrichtlinie geschaffen. Sie ist maßgeblich für alle Kreditverträge ab Juni 2010 und deckelt die Vorfälligkeitsentschädigung. Statt weiterhin nach eigenem Gusto rechnen zu dürfen, sind Banken und Vermittler jetzt an die Vorschriften der EU gebunden. Die Richtlinie sieht einen festen Prozentsatz der Restschuld als Gebühr vor, die der Kunde bei einer vorzeitigen Kündigung an das Kreditinstitut zahlen muss. Die Höhe des Prozentsatzes bemisst sich an der noch ausstehenden Laufzeit. Konkret:

  • Maximal 0,5 Prozent der Restschuld, sofern die Restlaufzeit unter zwölf Monaten beträgt.
  • Maximal 1,0 Prozent der Restschuld, sofern die Restlaufzeit mehr als zwölf Monate beträgt.

Ab wann es sich lohnt, einen Kredit Schufa vorzeitig abzulösen – gegebenenfalls mit einem günstigeren Kredit –, sollte in Ruhe berechnet werden.

Vorfälligkeitsentschädigung bei ausländischen Krediten

Ob die Regeln der EU-Verbraucherkreditrichtlinie auch für Kredite gelten, die bei Instituten in der Schweiz oder in Liechtenstein aufgenommen wurden, ist etwas komplizierter. Da die Unternehmen ihren Sitz außerhalb der EU haben, unterliegen sie normalerweise nicht den Vorschriften der Europäischen Union, sondern einzig den Gesetzen des jeweiligen Landes. Entscheidend ist deshalb, wo der Vertrag abgeschlossen wurde – innerhalb oder außerhalb der EU. Wurden die Papiere in der Bundesrepublik unterschrieben, müsste die Verbraucherkreditrichtlinie greifen. Diesbezüglich sollte man sich vorab beim Kreditvermittler informieren, um später keine unangenehme Überraschung zu erleben.