Kann ich den Kreditvertrag widerrufen?

Verbraucherverträge, zu denen auch Kreditverträge zwischen Banken bzw. Vermittlern und Privatpersonen zählen, können mit einer 14-tägigen Frist widerrufen werden. Damit schützt der Gesetzgeber Verbraucher davor, unüberlegt einen Vertrag abzuschließen. Maßgeblich ist Paragraf 355 des Bürgerlichen Gesetzbuches, „Widerrufsrecht bei Verbraucherverträgen“. In Absatz 1 heißt es:

„Wird einem Verbraucher durch Gesetz ein Widerrufsrecht nach dieser Vorschrift eingeräumt, so ist er an seine auf den Abschluss des Vertrags gerichtete Willenserklärung nicht mehr gebunden, wenn er sie fristgerecht widerrufen hat. Der Widerruf muss keine Begründung enthalten und ist in Textform oder durch Rücksendung der Sache innerhalb der Widerrufsfrist gegenüber dem Unternehmer zu erklären; zur Fristwahrung genügt die rechtzeitige Absendung.“

Die Regeln für Banken und Vermittler

Wichtig: Das Widerrufsrecht ist für beide Vertragspartner an bestimmte Regeln gebunden. Für Banken und Vermittler gilt, dass sie ihre Kunden ausführlich und in verständlicher Form auf die Möglichkeit hinweisen müssen, dass der Kreditvertrag widerrufen werden kann. Paragraf 360 Absatz 1 BGB erklärt dazu:

„Die Widerrufsbelehrung muss deutlich gestaltet sein und dem Verbraucher entsprechend den Erfordernissen des eingesetzten Kommunikationsmittels seine wesentlichen Rechte deutlich machen. Sie muss Folgendes enthalten:

  • einen Hinweis auf das Recht zum Widerruf,
  • einen Hinweis darauf, dass der Widerruf keiner Begründung bedarf und in Textform oder durch Rücksendung der Sache innerhalb der Widerrufsfrist erklärt werden kann,
  • den Namen und die ladungsfähige Anschrift desjenigen, gegenüber dem der Widerruf zu erklären ist, und
  • einen Hinweis auf Dauer und Beginn der Widerrufsfrist sowie darauf, dass zur Fristwahrung die rechtzeitige Absendung der Widerrufserklärung oder der Sache genügt.“

Werden diese Vorgaben erfüllt, gilt ein Widerrufsrecht von 14 Tagen. Den Beginn der Widerrufsfrist regelt Paragraf 355 Absatz 3 BGB:  „Ist der Vertrag schriftlich abzuschließen, so beginnt die Frist nicht, bevor dem Verbraucher auch eine Vertragsurkunde, der schriftliche Antrag des Verbrauchers oder eine Abschrift der Vertragsurkunde oder des Antrags zur Verfügung gestellt wird“  Wird der Kunde unvollständig oder erst nach Vertragsabschluss über sein Widerrufsrecht informiert, hat er jederzeit das Recht, vom Vertrag zurückzutreten, bis die korrekte Widerrufsbelehrung nachgeholt wurde. Ab dem Zeitpunkt beträgt die Frist einen Monat.

Die Regeln für Verbraucher

Doch auch Verbraucher müssen sich an gewisse Spielregeln halten. Das betrifft in erster Linie die Widerrufsfrist. Wird sie überschritten, ist ein Widerruf nicht mehr möglich. Dann bliebe nur die Option, den Kredit vorzeitig zu kündigen und abzulösen, was wiederum mit Kosten verbunden ist. Wenn der Vertrag hingegen rechtzeitig widerrufen und die Kreditsumme bereits an den Kunden ausgezahlt wurde, verlangt die Bank das Geld umgehend zurück.