Was heißt effektiver Jahreszins?

Der effektive Jahreszins stellt für Verbraucher die wichtigste Information dar, wenn es darum geht, mehrere Kredit-Angebote miteinander vergleichen zu können – immer vorausgesetzt, die Rahmenbedingung wie Laufzeit und Kreditbetrag sind identisch. Der „nackte“ Soll- oder auch Nominalzins wäre für diese Zwecke ungeeignet, weil er nicht alle Kosten berücksichtigt, die im Rahmen von Kreditgeschäften anfallen und dem Kunden in Rechnung gestellt werden. Sie spiegeln sich ausschließlich im Effektivzins wider. Von daher schreibt der Gesetzgeber verbindlich vor, dass ein effektiver Jahreszins genannt wird, um einen gezielten Kreditvergleich zu ermöglichen. Darüber hinaus wurde fest umrissen, welche Faktoren in den Effektivzins einfließen müssen und welche außen vor bleiben.

Die gesetzlichen Vorgaben zum Effektivzins

Der Umstand, dass in Kreditangeboten und -verträgen ein effektiver Jahreszins ausgewiesen wird, beruht zum einen auf Paragraf 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). In Absatz 2 heißt es:

Der Vertrag muss die für den Verbraucherdarlehensvertrag vorgeschriebenen Angaben nach Artikel 247 §§ 6 bis 13 des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuche enthalten.

Das Einführungsgesetz wiederum regelt den Vertragsinhalt, die weiteren Angaben im Vertrag, Verträge mit Zusatzleistungen, die abweichenden Mitteilungspflichten bei Immobiliendarlehensverträgen, Überziehungsmöglichkeiten und Umschuldungen, verbundene Verträge und entgeltliche Finanzierungshilfen sowie den Bereich der Darlehensvermittler.

Die entscheidenden Vorschriften zum effektiven Jahreszins finden sich allerdings in der sogenannten Preisangabenverordnung (PAngVO). Paragraf 6 (Kredite) Absatz 3 besagt:

In die Berechnung des anzugebenden Vomhundertsatzes sind als Gesamtkosten die vom Kreditnehmer zu entrichtenden Zinsen und alle sonstigen Kosten einschließlich etwaiger Vermittlungskosten, die der Kreditnehmer im Zusammenhang mit dem Kreditvertrag zu entrichten hat und die dem Kreditgeber bekannt sind, […] einzubeziehen.

Ergänzend dazu werden sämtliche Ausnahmen genannt, die nicht im Effektivzins enthalten sind.

Welche Kosten sind im Effektivzins enthalten und welche nicht?

Unberücksichtigt bleiben Notarkosten, die Kosten für Sicherheiten im Rahmen von Immobilienfinanzierungen, Kosten für Versicherungen, sofern sie nicht für die Kreditvergabe vorausgesetzt werden, Kontoführungsgebühren, Schätzkosten, Bauzeit- und Bereitstellungszinsen sowie Zuschläge für Teilzahlungen. Nichtsdestotrotz müssen auch diese Faktoren bei der Kreditplanung einkalkuliert werden.

Bereits im effektiven Jahreszins zusammengefasst sind folgende Positionen: der Nominalzins, das Disagio, die Restschuldversicherung, wenn sie verpflichtend ist, die Vermittlungsprovision, die Bearbeitungsgebühren, der Auszahlungsbetrag, die Ratenhöhe pro Termin, die Tilgung, die Tilgungszahlungs- und Verrechnungstermine sowie die Zinszahlungs- und Verrechnungstermine.

Die EU-Verbraucherkreditrichtlinie

Unterstrichen wurde die Bedeutung des effektiven Jahreszinses durch die EU-Verbraucherkreditrichtlinie. Sie gilt seit dem 11. Juni 2010 und schreibt Banken explizit vor, dass sie nicht länger ausschließlich mit dem günstigsten Zins werben dürfen, der unter Umständen falsche Hoffnungen auf ein preiswertes Darlehen weckt. Um das zu vermeiden, ist jetzt ein repräsentatives Beispiel vorgeschrieben, dessen Konditionen auf zwei Drittel aller Vertragsabschlüsse zutreffen müssen.