Welche Rechte habe ich als Kreditnehmer?

Ist der Ruf erst ruiniert… Das Vertrauen der Verbraucher in Banken hat in den vergangenen Jahren arg gelitten. Dafür sind die Kreditinstitute weitestgehend selbst verantwortlich. Statt mit offenen Karten zu spielen, haben sie im Kreditgeschäft mit blumigen Versprechen und günstigen Konditionen geworben, die nur den wenigsten Kunden auch tatsächlich eingeräumt wurden. Das verärgerte nicht nur die Interessenten, sondern rief auch die Politik auf den Plan. Sie – konkret die Europäische Union – machte den Lockangeboten den Garaus, um die Rechte der Kreditnehmer zu stärken. Denn nur anhand von realistischen Daten und Informationen kann eine Entscheidung für oder gegen eine Kreditofferte getroffen werden.

Recht auf Informationen

Das heißt: Kreditnehmer haben dank der Verbraucherkreditrichtlinie Anspruch darauf, vor und nach Vertragsabschluss ausführlich über sämtliche Eckdaten, Bedingungen und mögliche Einschränkungen aufgeklärt zu werden. Dazu wurden die Informationspflichten der Banken deutlich ausgeweitet. Das Ziel dieser Maßnahme lautet schlichtweg, die Vergleichbarkeit der Angebote zu gewährleisten. Welche Fakten im Vorfeld genannt werden müssen, ist per Gesetz geregelt. Die Liste umfasst unter anderem den effektiven Jahreszins, den Sollzins und die sonstigen Kosten. Um sich ein noch besseres Bild machen zu können, ohne gleich eine Anfrage stellen zu müssen, wurde zudem das repräsentative Beispiel eingeführt. Banken sind jetzt dazu verpflichtet, eine Musterrechnung zu erarbeiten, deren Konditionen auf zwei Drittel der zustande kommenden Verträge basieren.

Das Recht auf vorzeitige Rückzahlung

Dass im Rahmen der Angebote und Kreditunterlagen auch auf die Kündigungsmodalitäten und die Möglichkeit des Widerrufs hingewiesen werden muss, ist nicht neu, wurde durch die Verbraucherkreditrichtlinie aber noch einmal explizit unterstrichen. Überarbeitet wurden in dem Zusammenhang die Richtlinien für die vorzeitige Kündigung bzw. die vorzeitige Rückzahlung von Darlehen. Die Option bestand schon vorher, war aber mit einigen Fragezeichen versehen. Insbesondere die Kosten, die anfielen, wenn ein Kredit vor Ende der Laufzeit komplett getilgt wurde, ließen sich kaum nachvollziehen. Jetzt gilt eine klar definierte Obergrenze von 0,5 Prozent der noch ausstehenden Schuld bei einer Restlaufzeit von unter zwölf Monaten und 1,0 Prozent, wenn das eigentliche Vertragsende noch mehr als ein Jahr in der Zukunft liegt. Dadurch lässt sich wesentlich leichter kalkulieren, ob sich eine Kündigung – zum Beispiel für eine Umschuldung – rentiert oder gegebenenfalls zu teuer ist.

Problemfall: Restschuldversicherung

Während die Informationspflichten und die Regeln zur vorzeitigen Kündigung von den Verbraucherzentralen durchaus als Vorteil gewertet werden, sehen die Experten in puncto Restschuldversicherung noch Nachholbedarf. Ist der Abschluss einer solchen Police Voraussetzung für die Kreditvergabe, müssen die Kosten in den Effektivzins einfließen. Wird der Sicherungsanker hingegen freiwillig unterschrieben, sind die Gebühren nicht im Zins enthalten. Für Verbraucher ist es allerdings nur sehr schwer zu belegen, dass sie zum Abschluss gedrängt wurden, weil die Banken ihnen gegenüber keine Beweispflicht haben. Gefordert wird deshalb, dass die Kreditinstitute eindeutig nachweisen müssen, ob das Angebot auch ohne Restschuldversicherung hätte wahrgenommen werden können. Grundsätzlich sind Kunden gut beraten, sich nicht zur Unterschrift nötigen zu lassen, sondern bei mehreren Banken bzw. Vermittlern zu fragen.